annemarie kury

Annemarie Kury

Spendenkonto: Erste Bank
BLZ 20111 - Konto: 348-12598
IBAN: AT 052011100034812598
   BIC: GBAATWW

Email senden

Fotoalbum Bosnien

Eindrücke meiner ersten Reise nach Bosnien: Reisebericht von Traute  Biffl, im Juli 2010

Es verbindet mich und meinen Mann eine langjährige Freundschaft mit Frau Annemarie Kury. Viele Jahre durfte ich sie schon gedanklich nach Bosnien begleiten, diesmal war es dann soweit, dass auch ich gemeinsam mit ihr, meinem Mann und lieben Freunden nach Tuzla reisen konnte.

Der Reisegrund war ein höchst erfreulicher, denn ein  Wunschtraum von Annemarie – ich darf sie so nennen, denn dieser Bericht geht ja an die „große Annemarie-Familie“ - ist in Erfüllung gegangen: Der Neubau des Therapie-Zentrums „Korace nade“  konnte am Montag, 26.Juli 2010 , feierlich eröffnet werden.

Es war  wirklich ein Fest.  Ein architektonisch beeindruckender Bau, farbenfroh, zweckmäßig und liebevoll eingerichtet , konnte seiner Bestimmung übergeben werden. Aus dem Inhalt der Festreden sowohl von politischer Seite als auch von den Sponsoren war die Begeisterung, Freude und die Anerkennung des Engagements aller Beteiligten, die an der Verwirklichung dieses Projektes mitgewirkt haben, zu spüren.

Mit großer Freude sind auch Vertreter unserer Garde-Musik gekommen, um diesem Festakt den musikalischen Rahmen zu geben und die "österreichische Note" dieses Vorhabens zu unterstreichen.

Den Hauptteil der Eröffnung gestalteten aber die Kinder, für die dieses Projekt verwirklicht wurde. Sie hatten Sketches, Lieder u.v.m. vorbereitet, jeder nach seiner Begabung. Man sah fast nur strahlende Augen, oder auch solche mit Freudentränen.

Diese Kinder haben nun die Möglichkeit, unter modernen Bedingungen ihre Therapien von rührenden Betreuerinnen zu erleben. Die Zufahrt, der Garten, die Räumlichkeiten - alles ist Rollstuhl gerecht gebaut.  Das Therapieschwimmbecken wird eine große Erleichterung bei so manchen Übungen und sicher auch viel Spaß bringen.

Den  vielen anwesenden Eltern war ihr Glück anzusehen, dass ihre Kinder nun unter so wunderbaren Voraussetzungen gefördert werden, bei ihren lieben Therapeutinnen, die mehr als nur Vollstrecker ihrer Aufgabe sind. Hier ist Menschlichkeit zu spüren und das war den Einsatz für dieses Projekt in jeder Weise wert.

Allen, ja allen, die mitgeholfen haben, diese Idee von Annemarie, nämlich ein den Bedürfnissen der Kinder und Therapeuten entsprechendes Objekt zu realisieren, sei herzlichst gedankt.

Berechtigt konnte gefeiert werden. Für mich war der liebevolle Einsatz aller spürbar. Die Freude an allem zeigen die fröhlichen Farben innen und außen. Möge alles weiterhin so strahlen!!!

Unser Aufenthalt in Tuzla sollte aber auch anderen betreuten Menschen von Annemarie gelten. Durchwegs stellte ich fest, dass die Obsorge der Mütter für ihre Kinder eine nach Möglichkeiten ganz wunderbare ist.  Die Behutsamkeit, mit der sie mit ihnen umgehen, überträgt sich auch auf das Verhalten der Kinder. So konnte unsere "Crew" gemeinsam SAMANTA (Witwe ohne Einkommen, Mutter mit 9 Kindern, ein Bub Spastiker) überraschend besuchen. Hier war zu sehen, wie dankbar und zufrieden die Familie ist, alles war wirklich ordentlich gepflegt. Für diese Familie wurde wie schon in der Vergangenheit, von Annemarie Geld  aus ihrem "Hilfsnetzwerk" für den Einkauf von Grundnahrungsmittel im naheliegendem Geschäft für die nächsten Monate hinterlegt.

Eine schöne Fahrt führte uns zu SAMIRA (mit den Töchtern Samra, Azra und dem gesunden Buben Amir). Sie selbst hat mit den Mädchen an den Feierlichkeiten für „Korace nade“ teilgenommen und auch ihr Glück kundgetan, dass nunmehr für ihre Samra und ihre Azra ein modernes Therapiezentrum zur Verfügung steht.

Glücklich, aber auch stolz konnte Annemarie beim Besuch von SALIHA sein. Hier gab's zu feiern, denn eine der Töchter hatte ihre Ausbildung zur Kunstlehrerin abgeschlossen, die Diplomarbeit, auch das Diplom (beides in cyrillischer Schrift) wurde gezeigt. Nun kann  diese Tochter in ihr  Leben entlassen werden. Ohne die Hilfe aus Österreich hätte diese Familie nicht überlebt.

Ähnlich ist es bei vielen anderen - so auch bei MUJIC. Hier war der Besuch aufregend, da seine Frau gerade  an diesem Tag zu Fuß ins Krankenhaus gegangen war, um ihr viertes Kind zu bekommen. Für die Heimkehr von der Mutter und dem Neugeborenen am nächsten Tag war aber nichts vorbereitet, weil nichts Brauchbares da war. Großeinkauf war daher  angesagt und wir brachten alles hin, was in einer solchen Situation dringend gebraucht wird. Eindringlich wurde MUJIC auch noch aufgetragen, dass er das Häuschen , das kürzlich von den österreichischen Sponsoren gekauft werden konnte, noch winterfest gemacht werden müsse. (Das alte Häuschen war beim letzten starken Regen eingestürzt und die restlichen Gelder des Hauskaufes wurde für die notwendige Isolierung den österr. Soldaten treuhändig überantwortet). Um  Mutter und das Neugeborene - es wurde nach 3 Buben ein Mädchen geboren - auch noch zu sehen, besuchten wir die Familie am nächsten Tag wieder und trauten unseren Augen nicht, es wurde isoliert, verputzt usw. Mich beeindruckt das Vertrauen Annemaries in diese Menschen enorm, Annemarie weiß sehr genau, wie man sie menschlich bei der Ehre packt! Erschöpft aber glücklich erlebten wir die Mutter im Kreise ihrer Familie.

Manche dieser Unternehmungen sind, wie schon erwähnt , aber nur gemeinsam mit den österr. Soldaten (LOT und AUNE und CIMIC) möglich, mit welchen ein gutes Einvernehmen gepflegt wird. Einerseits gibt es Hinweise auf bedürftige Menschen, andererseits auch Hilfe beim Transport oder bei der Überwachung von Hilfsmaßnahmen.

Z.B. kam an einem Vormittag eine Familie mit einer schwerkranken Tochter (seltene , schwere Blutkrankheit) ins LOT-Haus Tuzla . Die medizinische Abklärung wurde von der Militärärztin vorgenommen, die Kosten für die im Augenblick wichtigsten Medikamente kann die Familie allerdings alleine nicht tragen. Es war auch hier eine finanzielle Unterstützung von uns möglich.

Zudem kam vom Lot-Haus dann noch der Hinweis bzgl. einer 10-köpfigen Familie, die wir zu hause antrafen, alle arbeitslos . Die männlichen Familienmitglieder versuchen durch Sammeln von Alteisen wenigstens etwas Geld nach hause zu bringen. Es ist kein Geld da, nicht für Essen, auch nicht für Versicherungsmarken, die notwendig sind, um die ärztliche Versorgung u.a. sicherzustellen. Hier werden Hühner und eine Ziege besorgt. Die Familie ist sehr bemüht, haben einen gepflegten Gemüsegarten, die Ställe für die Tiere werden jetzt gebaut.

Während Annemarie MERSIJA - eine "Neue" - besucht, begleiten uns Nachbarinnen durch die Umgebung. Eine Familie ärmer als die andere, es gäbe so viele dort in der Romasiedlung, die Hilfe bräuchten - kein Strom, kein Wasser, keine Arbeit, kein Einkommen ... MERSIJA, alleinstehend (mit einer 8jährigen Tochter), ist schwerkrank, das Einzimmerhäuschen ca. 15 qm, ohne Strom, ohne Wasser. Zumindest der Stromanschluss konnte gleich in Auftrag gegeben und bezahlt werden. Für den Wasseranschluss und -abfluss sowie  für  den Anbau für ein WC sammeln wir jetzt.

Auch in Lukavac, einem Ort nächst Tuzla, gibt es Menschen ohne jedes Einkommen. Dort denkt Annemarie schon an die kalte Jahreszeit und ermöglicht für 70 Familien den Einkauf von Braunkohle. Der Kauf und die Verteilung wird durch Mitglieder des österr. Militärs (CIMIC = Civil-militärische Cooperation) begleitet werden.

Immer gelingt es Annemarie, geeignete, sensible Dolmetscher zu finden. Für den Besuch von MIRSADA hatten wir z.B. MIMA als begleitende Übersetzerin - eine junge Lehrerin, die durch Annemarie im Sommer einige Male in Murau als Babysitterin arbeitete.

MIRSADA, spastisch gelähmt und von Annemarie seit 15 Jahren Jahren liebevoll umsorgt,  konnte nun nach vielen Mühen nach dem Tod ihrer blinden Mutter zufriedenstellend im Altersheim Tuzla untergebracht werden.

Mit Sehnsucht wird Annemarie überall erwartet, weil sie schon soviel Vertrautheit (bei manchen seit 16 Jahren) aufgebaut hat und bei den "Neuen" ist diese auch sehr schnell da. Menschenwürdig weiß sie zu teilen, was ihr von vielen gegeben wird. Eine Aktion mit Herz und  Liebe.

Es möge uns noch lange möglich sein, diesen Menschen zu helfen!
Diese Reise wird mir immer in Erinnerung bleiben, ich denke, viel gelernt zu haben!!!

Traute  Biffl, im Juli 2010